Tipp #19 Wie dein Auftritt durch das Verhältnis 4:1 noch besser wird

Ein weiteres Mal vergleiche ich das Präsentieren/Moderieren mit dem Kochen. Wir brauchen für eine Speise viel mehr Zutaten zuhause, als wir dann in den Topf geben. Wir kochen deutlich länger als wir nachher speisen. Und häufig lesen wir in einem Kochbuch mehrere Rezepte durch, bevor wir uns schließlich für eines entscheiden. Wir investieren also in die Vorbereitung deutlich mehr Energie und Zeit als in die eigentliche Aktion, das verzehren der Speise. Bei der Vorbereitung für eine Rede verhält es sich ziemlich ähnlich. 4:1 ist für mich ein optimaler Erfolgsfaktor, durch den jede Präsentation noch besser wird. Anwenden lässt sich dieser Faktor in folgenden Bereichen. Weiterlesen →

Tipp # 8 Wie beginne ich eine Präsentation?

Heute konzentriere ich mich auf Kurzpräsentationen, Grußworte oder Statements. Wer Ideen für eine gesamte Moderation oder ein Referat braucht, postet bitte einen Kommentar. Als Grundregel merke dir bitte: wenn dir die Situation unangenehm ist, bleib schlicht und verwende deine gewohnten Worte. Dafür gibt es zwei gute Gründe. Weiterlesen →

Tipp #6 Wie langsam ist schnell genug?

„Augen zu und durch“, diese Strategie hilft am besten in privaten Situationen. Bei mir zum Beispiel, wenn ich kalt dusche oder geimpft werde.
Bei einem Auftritt vor Publikum schadet diese Einstellung. Denn wer seine Präsentation so rasch wie möglich hinter sich bringen will, hudelt und redet eher undeutlich. Damit plagt er sein Publikum, weil das Zuhören dann echt anstrengend ist. Wenn vor lauter Nervosität auch noch die Schnappatmung einsetzt, leidet das Publikum. Konzentrieren sich die Zuhörer auf den Inhalt der Rede? Eher selten, echt schade.

Deshalb teile ich heute mein Wissen über das ideale Lese-und Sprechtempo.
Geht ganz schnell ;O)

Höre dir einfach immer selbst zu, wenn du einen Text vorliest oder frei zu deinem Publikum sprichst. Kontrolliere über deine Ohren, ob du deutlich und langsam genug redest. Warum? Weil du deinem Publikum sonst immer einen Schritt voraus bist. Du kennst deinen vorbereiteten Text oder das, was du sagen willst. Wenn du dich nur auf das Verbreiten deiner Botschaft beschränkst, vernachlässigst du deine Zuhörer. Es ist zu wenig, wenn du nur deine Stimme hörst. Du musst dich reden hören, das, was durch den Raum schwingt.

Hör dir also selbst aufmerksam zu, wenn du sprichst und stelle dir die gehörten Informationen vor. 

Erinnere dich an diesen wichtigen Unterschied vor allem dann, wenn du aufgeregt bist. Also wenn du dich freust, ärgerst oder ängstigst. Denn in emotionalen Momenten kippen wir gerne in einen Ausnahmezustand. Jetzt schreibe ich wir, weil mir das natürlich auch regelmäßig passiert.

Und hier noch eine andere Übung, mit der vor allem Kinder profitieren. Schnapp dir ein Kinderbuch und beginne die Geschichte laut vorzulesen. Dann drossle das Tempo so lange, bis du dir das Gehörte bildlich vorstellen kannst. Kuh Lieselotte im Stall, Leo Lausemaus in der Badewanne oder Schneewittchen mit ihren 7 Zwergen. Sobald das Kopfkino startet, hast du die ideale Lesegeschwindigkeit.

Die Sommerferien beginnen bald und damit die ideale Übungszeit für die heutige Anregung. Wenn die Kinder wieder den ganzen Tag zuhause sind, wollen sie unterhalten werden, ein dankbares Publikum :O)

Freue mich über eine Rückmeldung, Empfehlung oder einen Themenwunsch. Ideen habe ich reichlich, aber wenn du eine Anregung zu einem konkreten Anlass willst, ziehe ich dein Thema gerne vor.

mit lieben Grüßen
Heidi

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
heidiwinsauer.at

Tipp #2 Heut gibt´s was für die Ohren

 

Wie schreibe ich für die Ohren, also hörerfreundlich?

Eigentlich könnte es auch heißen: schreiben fürs Hirn. Denn Zuhörer müssen immer gleichzeitig hören und den Inhalt verarbeiten. Wenn dieser Prozess für das Hirn zu kompliziert ist, sinkt die Aufmerksamkeit. Wenn dann auch noch jemand hustet, ein lautes Fahrzeug vorbeifährt oder die Tontechnik versagt, verpufft der Inhalt komplett

Bei Texten oder Videos ist das anders. Da kann ich Passagen noch einmal lesen oder das Video erneut anschauen.

Wenn du deinen Mitmenschen etwas sagen willst, sei nett zu deren Ohren. Damit wirkst du auch gleich kompetenter, weil sie deine Botschaft verstehen. Mit den 4 folgenden Regeln steigerst du automatisch deine Aussagekraft, obwohl du am Inhalt nichts veränderst. Genial, oder? Los geht´s.

  1. Kurze Sätze

Verwende Sätze mit maximal 15 Wörtern. Kurze Sätze zwingen dich, die Informationen besser aufzuteilen. Häppchenweise erfahren deine Zuhörer, was du sagen willst.

Vorher (V): Ich freue mich sehr, dass so viele Freunde, Geschäftspartner und Nachbarn zur Einweihungsfeier für unser neues Büro gekommen sind und hiermit ist das Buffet feierlich eröffnet.
Nachher (N): Schön, dass so viele Freunde und Geschäftspartner zur Einweihungsfeier gekommen sind. Ich freue mich auch sehr über den Besuch meiner Nachbarn. Vielen Dank, für diese Wertschätzung. Hiermit ist das Buffet feierlich eröffnet.

In Summe verwende ich zwar mehr Worte, aber die Sätze sind kürzer. Dadurch wirkt jede Information stärker und ich helfe dem Zuhörer, meinen Gedanken zu folgen.

  1. Vermeide Verneinungen
    Berühmtes Beispiel: „denke nicht an einen roten Elefanten.“ Schwupps, da ist er schon, der kleine rote Trampler.

Andere Beispiele: Äpfel mag ich nicht. Du sollst nicht lügen. Sie können sich nicht blamieren….

Mit verneinten Aussagen verwirrst du deine Zuhörer. Du provozierst einen Gedanken, den die Hörer im selben Augenblick aber wieder streichen sollen. Außerdem fehlt die Information, was du eigentlich willst, was dir wirklich wichtig ist. Ein wichtiger Teil deiner Vorbereitung ist also: klare und eindeutige Botschaften finden.
Das Aufknacken der Verneinungen wird dich am Anfang sehr viel Zeit kosten und vermutlich auch nerven. Manchmal musst du deine Gedanken und Sätze völlig neu formulieren, sogar nach ungewohnten, besseren Wörtern suchen. Es lohnt sich aber! Deine Mitmenschen verstehen dich besser. Und Regel Nr. 2 hilft bei Regel Nr. 1, weil du weniger Worte brauchst.

V: Vergessen sie auf keinen Fall, das Parkticket abzustempeln.
N: Und denken sie daran: Parkticket abstempeln.

V: Wenn wir uns nicht anstrengen haben wir keine Chance auf den Pokalsieg.
N: Wir müssen uns anstrengen, sonst verlieren wir.
N: Wenn sich jeder von uns anstrengt, gewinnen wir den Pokal.

V: Keine Angst, sie werden sich nicht blamieren.
N: Vertrauen sie mir, ein Versuch ist es wert.

  1. Verwende aussagekräftige Zeitwörter
    Diese Regel erkläre ich am besten mit einem typischen Beispiel. Wir „machen“ ziemlich viel in unserem Alltag. Aber lass mal die Varianten von „machen“ auf dich wirken.

Die Kinder machen ihre Matheaufgabe – Die Schüler lösen ihre Matheaufgaben.
Ich mache täglich mein Yogaritual – Ich praktiziere täglich mein Yogaritual.
Oma Klara macht den Haushalt alleine – Oma Klara putzt und saugt den Haushalt alleine.
Ich mache grad Erdbeermarmelade. – ich putz grad die Erdbeeren und koche dann Marmelade.
Klaus macht die Garage sauber – Klaus kärchert die Garage.
Sara macht sich große Sorgen – Sara sorgt sich
Wir machen unseren Urlaub heuer am Meer – Wir erholen uns heuer am Meer.
Ich mache einen Spaziergang. – Ich spaziere durch den Wald.

Teil deiner Vorbereitung auf eine Rede könnte sein, starke Wörter zu finden. Damit gewinnt deine Sprache an Aussagekraft, weil du eher Bilder erzeugst. Außerdem hebt sich deine Rede von den üblichen 08/15 Sätzen der Anderen ab. Diese beiden Links sind hilfreich. https://www.openthesaurus.de/ und https://synonyme.woxikon.de/

  1. Aktiv statt passiv

Passive Sätze transportieren meist ungenaue Botschaften. Meist fehlt die Information, wer genau etwas gemacht hat. Damit verschenkst du die Chance, deine eigene Leistung zu erwähnen oder die der Anderen. Außerdem klingen passive Sätze viel komplizierter als aktive.

P: Der Firmenumsatz konnte um 0,5% gesteigert werden.
A: Ihr habt so tüchtig gearbeitet, dass unser Umsatz um 0,5%gestiegen ist.

P: Der Müll wird von den Männern entsorgt.
A: Die Männer entsorgen den Müll.

P: Die Kinder mussten von ihrer Tante beaufsichtigt werden.
A: Die Tante hat sich um ihre Neffen und Nichten gekümmert.

P: Die Mitgliederbeiträge werden ab 2018 um 0,4 Prozent gesenkt.
A: Wir (die Organisation) senken den Mitgliederbeitrag ab 2018 um 0,4 Prozent.

Wenn du dein Wissen vertiefen willst, empfehle ich dir das Buch Schreiben fürs Hören von Stefan Wachtel. Und sämtliche Bücher von Wolf Schneider sind auch absolut lesenswert. Ich mag vor allem seinen feinen Humor. „Gewönne doch der Konjunktiv“ ist eine ideale Strandlektüre.

Nächste Woche schreibe ich über das Lampenfieber und wie ich damit umgehe. Herzklopfen und hibbelige Beine habe ich selbstverständlich auch vor einer Moderation. Die Nervosität lähmt mich aber nicht. Sie treibt mich an und hilft mir, mich besser zu konzentrieren. Wie, liest du nächste Sonntag.

Wünsche dir eine entspannte Woche und freue mich über eine Rückmeldung
LG, Heidi Winsauer

zur Info:
Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
heidiwinsauer.at