Tipp #6 Wie langsam ist schnell genug?

„Augen zu und durch“, diese Strategie hilft am besten in privaten Situationen. Bei mir zum Beispiel, wenn ich kalt dusche oder geimpft werde.
Bei einem Auftritt vor Publikum schadet diese Einstellung. Denn wer seine Präsentation so rasch wie möglich hinter sich bringen will, hudelt und redet eher undeutlich. Damit plagt er sein Publikum, weil das Zuhören dann echt anstrengend ist. Wenn vor lauter Nervosität auch noch die Schnappatmung einsetzt, leidet das Publikum. Konzentrieren sich die Zuhörer auf den Inhalt der Rede? Eher selten, echt schade.

Deshalb teile ich heute mein Wissen über das ideale Lese-und Sprechtempo.
Geht ganz schnell ;O)

Höre dir einfach immer selbst zu, wenn du einen Text vorliest oder frei zu deinem Publikum sprichst. Kontrolliere über deine Ohren, ob du deutlich und langsam genug redest. Warum? Weil du deinem Publikum sonst immer einen Schritt voraus bist. Du kennst deinen vorbereiteten Text oder das, was du sagen willst. Wenn du dich nur auf das Verbreiten deiner Botschaft beschränkst, vernachlässigst du deine Zuhörer. Es ist zu wenig, wenn du nur deine Stimme hörst. Du musst dich reden hören, das, was durch den Raum schwingt.

Hör dir also selbst aufmerksam zu, wenn du sprichst und stelle dir die gehörten Informationen vor. 

Erinnere dich an diesen wichtigen Unterschied vor allem dann, wenn du aufgeregt bist. Also wenn du dich freust, ärgerst oder ängstigst. Denn in emotionalen Momenten kippen wir gerne in einen Ausnahmezustand. Jetzt schreibe ich wir, weil mir das natürlich auch regelmäßig passiert.

Und hier noch eine andere Übung, mit der vor allem Kinder profitieren. Schnapp dir ein Kinderbuch und beginne die Geschichte laut vorzulesen. Dann drossle das Tempo so lange, bis du dir das Gehörte bildlich vorstellen kannst. Kuh Lieselotte im Stall, Leo Lausemaus in der Badewanne oder Schneewittchen mit ihren 7 Zwergen. Sobald das Kopfkino startet, hast du die ideale Lesegeschwindigkeit.

Die Sommerferien beginnen bald und damit die ideale Übungszeit für die heutige Anregung. Wenn die Kinder wieder den ganzen Tag zuhause sind, wollen sie unterhalten werden, ein dankbares Publikum :O)

Freue mich über eine Rückmeldung, Empfehlung oder einen Themenwunsch. Ideen habe ich reichlich, aber wenn du eine Anregung zu einem konkreten Anlass willst, ziehe ich dein Thema gerne vor.

mit lieben Grüßen
Heidi

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
heidiwinsauer.at

Tipp #3 Oh mein Gott, ich bin gleich dran!

Möge mir mein Lampenfieber immer erhalten bleiben! 

Ja, es klingt verrückt. Was bitteschön soll an Lampenfieber gut sein; oder hilfreich? Ich kann es eigentlich nur umgekehrt erklären. Würden mein Körper und Hirn vor einer Moderatin völlig ruhig bleiben, wäre mir also alles egal, müsste ich den Beruf wechseln. Denn dann würde mein Anspruch fehlen, wirklich gut zu sein. Und damit komme ich direkt zu meinem Tipp der Woche: meine Hausmittel bei Lampenfieber.

Wenn der Puls rast, die Hände eiskalt werden und sich der Brustkorb kaum noch bewegt, praktiziere ich die Wechselatmung. Die Yogis unter euch kennen diese Atemtechnik. Ich über allerdings eine vereinfachte Form, mit Daumen und Zeigefinger. Im Original nimmt man Daumen und kleinen Finger

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Halte dir mit dem Daumen ein Nasenloch zu und atme lange ein … Luft anhalten … Daumen weg und gleichzeitig mit Zeigefinger der selben Hand das linke Nasenloch zuhalten …. ausatmen … Pause … einatmen …. Zeigefinger weg und mit dem Daumen wieder das andere Nasenloch zumachen …. usw.

Sport bzw. Bewegung ist immer eine super Methode, Stress abzubauen. Einmal kräftig schwitzen, danach ausgiebig dehnen und dann eher kalt duschen … einfach nur fein. Das Gedankenkarussel steht still, der Körper ist entspannt und ich fühle mich 5 Kilo leichter. Manchmal fehlt die Zeit für eine ausgiebige Sporteinheit. Dann bewege ich wenigstens alle Gelenke durch und dehne die Oberkörpermuskulatur. Das dauert ca. 15 Minuten und ist besser als gar nichts. Und kurz vor Beginn der Veranstaltung bewege ich meinen Oberkörper nocheinmal durch, damit ich locker bin.

Eine super Übung ist der Sinnes-Check. Welche 5 Geräusche höre ich? Was sehe ich oben, unten und auf den Seiten? Was rieche ich? Was spüre ich mit meinen Händen und Füßen? Diese Be-Sinnung ist eine wunderbare und schnelle Methode, innerlich ruhig zu werden. Ist hilfreich, wenn du keine Möglichkeit hast, dich zurückzuziehen.

Lampenfieber erinnert mich daran, dass ich meine Sinne schärfen und den Körper wach halten soll. Mit den Übungen gelingt mir das. Und dir ab sofort auch :O)

Wünsche dir viel Spaß in deiner Mitte und freue mich über deine Rückmeldung und/oder Empfehlung. Nächsten Sonntag schreibe ich, wie ein Interview für das Publikum noch interessanter wird.

Liebe Grüße
Heidi Winsauer

 

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
heidiwinsauer.at

Tipp #1 Warum sollte mir jemand zuhören?

Warum? Diese Frage höre ich derzeit sicher 100 mal am Tag. Warum, Mama? Meine beiden Söhne, 2,5 und 4 Jahre alt, hinterfragen so ziemlich alles. Normalerweise treibt mich dieses ständige WARUM in den Wahnsinn. Im Laufe dieser Woche löste es aber einen kreativen Geistesblitz aus. Warum sollte mir jemand zuhören? Ja genau. Warum eigentlich? Warum sollte jemand nicht einfach die Ohren „auf Durchzug schalten“, mir, sondern der Person „da vorne“, zuhören? Darüber schreibe ich also meinen ersten Tipp, Schritt für Schritt erklärt.

Warum sollten mir die Menschen zuhören? Wer als erstes auf diese Frage eine Antwort sucht, ist von Anfang an näher bei seinem Publikum. Und dieser Service wird gewöhnlich mit erhöhter Aufmerksamkeit belohnt.

Wenn du also vor einer Menschengruppe reden willst oder sollst (das machen ja auch einige, weil sie müssen), definiere dein Ziel . Was sollen sich die Zuhörer merken? Was sollen sie im Idealfall weitererzählen oder auf ihrem sozialen Kanal posten? Welches Gefühl möchtest du erzeugen? Was ist dein Ziel?

Nun sammle alle Fakten, Beispiele und Gedanken, die dir einfallen. Überprüfe dann jeden Punkt, ob er dir hilft, dein Ziel zu erreichen. Oder lenkst du die Zuhörer mit einer Aussage vom Ziel ab? Bringst sie auf andere Gedanken?

Dann überlege dir mindestens 1 relevantes Beispiel aus deinem Alltag, inwiefern dich das Thema selbst betrifft. So bietest du deinem Publikum einen persönlichen Bezug an. Meistens haben die Zuhörer sehr ähnliche Erfahrungen und können gut nachempfinden, wovon du redest. Es ist generell hilfreich, ganz nah bei der eigenen Wahrnehmung zu bleiben. So bist du authentisch und damit hört dir das Publikum eher zu.

Meine Tipps sind Anregungen, keine Erfolgsgarantie. Aber es würde mich wirklich sehr wundern, wenn du trotz sorgfältiger Vorbereitung einen schwachen Eindruck hinterlässt.

Wünsche dir eine erfolgreiche Woche!

mit herzlichen Grüßen
Heidi Winsauer

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
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Beispiele:

Anlass: Weihnachtsfeier, Rede der Chefin.
Ziel: Danke sagen und die Arbeit der Mitarbeiter loben.
Herzlich Willkommen liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ….. Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt, für unsere Weihnachtsfeier … Wir haben ein intensives Jahr hinter uns …. es war anstrengend, für uns alle …. trotzdem bin ich jeden Morgen gerne ins Büro gekommen …. solche Mitarbeiter sind eine große Stütze… die Ideen der Abteilung xy haben mich schwer beeindruckt …. Abteilung abc hat viele Überstunden geleistet …. und die Mühe hat sich gelohnt …. wir haben tolle Erfolge erzielt … deshalb feiern wir heute…. Vielen Dank für …. lasst es euch heute gut gehen …. schönen Abend.

Anlass: Referat über Shakespears Romeo und Julia
Ziel: Inhalt der Tragödie zusammenfassen und den Verfasser kurz vorstellen
Meine Aufgabe ist es, euch den Dichter William Shakespeare vorzustellen. Außerdem soll ich das Theaterstück Romeo und Julia zusammenfassen. Ich fange am besten mit dem einfacheren Teil an. Das Stück Romeo und Julia kenne ich, weil ich mal eine Verfilmung mit Leonardo Di Caprio gesehen habe. Und das Stück gibt es auch als Musical. Es heißt West Side Story. Worum geht es …….. 2 verfeindete Familien …. Julia Capulet …. Romeo Montague … verknallen sich …. Familien sind logischerweise komplett dagegen … die zwei überlegen sich einen Plan … endet leider tödlich für beide…
Nun zum Dichter William Shakespeare. Vor dem Referat wusste ich nur, dass er vor langer Zeit in England gelebt hat. Jetzt weiß ich, dass er sehr fleissig war und 38 Theaterstücke und 154 Sonette geschrieben hat. Ohne Computer oder Tintentod, denn vor rund 450 Jahren gab es das alles noch nicht. …. Seine berühmtesten Werke stellen uns die Mitschüler xy und ybc später noch vor … 1616 starb er als reicher Mann, warum ist unbekannt.

Anlass: Begrüßung Elternabend
Ziel: Team vorstellen, Themenschwerpunkt präsentieren
Schönen guten Abend … es freut mich, dass ihr euch Zeit genommen habt … nach einem anstrengenden Arbeitstag auch noch hier in der Schule … es ist für uns die beste Möglichkeit, unser Team und unsere Arbeit vorzustellen. Den offiziellen Teil ziehen wir eher straff durch … danach ein gemütlicher Ausklang… Mein Name ist abc, ich bin die Leiterin …. mir gefällt an der Arbeit mit euren Kindern …. meine Stellvertreterin ….. die weiteren Teammitglieder …. unser thematischer Schwerpunkt ist dieses Jahr der Bauernhof…. Kinder lieben Tiere und interessieren sich für Geräte/Fahrzeuge …. das habt ihr sicher auch schon beobachtet ….. wir planen …. Exkursionen, Lieder, Spiele, Fasching,….. deshalb bitte immer ein Dreckerhäs in der Box haben … an Exkursionstagen bitte spätestens um 08.30 Uhr hier sein…. wir dokumentieren dieses Jahr mit Bildern und am Ende gibt es für jedes Kind ein persönliches Bauernhofbuch.