Rhetoriktipps 2019: Neues Jahr, selbes Thema, andere Form.

Das Thema Kommunikation begeistert mich. Deshalb sauge ich jeden guten Beitrag darüber auf, egal in welcher Form: Artikel, Buch, E-Books, Podcast, Video, Vortrag, Seminar oder Ausbildung. Durch meinen Beruf als Veranstaltungsmoderatorin und Rhetoriktrainerin brauche ich viel von diesem angesammelten Wissen und ergänze es durch eigene Erfahrung. Auch das Bloggen fördert die kommunikative Fitness und fordert meine Kreativität. Denn nur die Regeln für einen soliden Auftritt kennen ist zu wenig. Genauso wichtig ist die Anwendung und Routine.

Dir geht es vermutlich ähnlich. Vermutlich hast du auch schon viele Kurse besucht und Bücher gelesen. Aber wendest du Weiterlesen →

Tipp # 27 Gewöhne dich an den Veranstaltungsraum

Weniger als 1 Sekunde dauert es, bis andere Menschen ihren ersten Eindruck über uns erstellen. Für Bühnenauftritte heißt das: noch bevor du die erste Silbe gesprochen hast, bist du in den Köpfen deiner Zuhörer schon in einer Schublade.
Profis üben zusätzlich zur Rede auch ihren Auftritt und Abgang. Wenn das nicht möglich ist, verbringen sie wenigstens so viel Zeit im Veranstaltungsraum, bis sie sich die wichtigsten Details anschauen konnten. Wenn es dir zeitlich möglich ist, Weiterlesen →

Tipp #25 Fettnäpfchen erkennen und vermeiden

„Mama, da steht 30 auf der Tafel. Warum fährst du 38?“
Seit mein kleiner Sohn Zahlen lesen kann, fühle ich mich bei jeder Autofahrt wie im Lehrbuch von Friedemann Schulz von Thun. Mein Sohn teilt mir seine schlichte Beobachtung mit. Ich reagiere genervt, weil ich nur den Apell höre, langsamer zu fahren. Gleichzeitig bin ich aber auch dankbar. Denn durch diese Episoden erinnere ich mich immer an das äußerst hilfreiche Kommunikationsquadrat. Manchmal wird es auch „Vier-Ohren-Modell” oder „Nachrichtenquadrat” genannt.

Kleiner Rückblick ins Jahr 1981. Friedemann Schulz von Thun, ein deutscher Psychologe und Kommunikationswissenschaftler, veröffentlicht das Modell des Kommunikationsquadrates.  Weiterlesen →

Tipp #21 Wie reagiere ich souverän auf Kritik oder blöde Witze?

Anschuldigungen und blöde Schmähs über uns lösen Stress aus, oder zumindest ein unangenehmes Gefühl. Richtig arg wirken doofe Sprüche und Kritik, wenn andere Menschen mithören und zuschauen. Darauf reagieren wir meist instinktiv, also automatisch. Wir verstummen, schlagen mit Worten zurück oder flüchten, indem wir das Gespräch abbrechen. Danach fühlen wir uns meistens noch mieser. Denn unter Stress sagen wir Worte, die wir später bereuen. Oder wir reden lauter, als wir das eigentlich wollen. Oder wir ärgern uns zuhause, dass uns erst dort ein passender Konter einfällt. Weiterlesen →

Tipp #20 Wie berühre ich Zuhörer bei einer feierlichen Ansprache?

Eine feierliche Ansprache gehört zu jedem ausgereiften Programm. Denn eine gut vorbereitete Ansprache kann tief beeindrucken, auch wenn sie nur wenige Minuten dauert. Wie das gelingt? In dem sich möglichst viele Zuhörer wirklich angesprochen fühlen. Und das schaffst du, wenn du eine Ahnung hast, was dein Publikum bewegt. Weiterlesen →

Tipp #19 Wie dein Auftritt durch das Verhältnis 4:1 noch besser wird

Ein weiteres Mal vergleiche ich das Präsentieren/Moderieren mit dem Kochen. Wir brauchen für eine Speise viel mehr Zutaten zuhause, als wir dann in den Topf geben. Wir kochen deutlich länger als wir nachher speisen. Und häufig lesen wir in einem Kochbuch mehrere Rezepte durch, bevor wir uns schließlich für eines entscheiden. Wir investieren also in die Vorbereitung deutlich mehr Energie und Zeit als in die eigentliche Aktion, das verzehren der Speise. Bei der Vorbereitung für eine Rede verhält es sich ziemlich ähnlich. 4:1 ist für mich ein optimaler Erfolgsfaktor, durch den jede Präsentation noch besser wird. Anwenden lässt sich dieser Faktor in folgenden Bereichen. Weiterlesen →

Tipp #17 Wie nutze ich meine Redezeit optimal?

Welchen Eindruck würdest du lieber hinterlassen?
„Endlich hört er/sie auf zu reden!“ oder „Schade! Von ihm/ihr hätte ich gerne mehr gehört!“

Egal on du eine lange Redezeit bekommst oder nur kurze Grußworte sprechen sollst – gehe immer sorgfältig mit der Zeit deiner Zuhörer um. Sie sind es, um die es eigentlich geht! Wenn du dein Publikum plagst, driftet es in Gedanken ab. Und wenn du es arg übertreibst, schwächst du dein Image.

Achte deshalb auf die Qualität und die Quantität deiner Worte. Dafür brauchst du keine teuren Trainerstunden, sondern 1-2 Stunden Zeit, Schreibzeug und dein Handy. Los geht´s.

  1. Text aufschreiben oder wenigstens skizzieren.
    Wie lautet deine Aufgabe?
    Danke sagen
    Ehrengäste begrüßen
    einen Impulsvortrag halten
    motivieren
    Zahlen präsentieren und in einen praktischen Zusammenhang bringen
    die Festrede sprechen
    moderieren

    Überlege genau, was wirklich relevant ist für deine Aufgabe?
    Anregungen findest du hier Tipp #1 Warum sollte mir jemand zuhören? 
  2. Text laut vorlesen und mit dem Handy die Zeit stoppen
    Wichtig ist, dass du den Text laut vorliest und dabei wirklich langsam genug bist. Warum das wichtig ist, habe ich hier zusammengefasst Tipp #6 Wie langsam ist schnell genug? 
  3. Text bei Bedarf kürzen. Optimiere zuerst den Text.
    Die ausführliche Anleitung findest du hier Tipp #2 Heut gibt´s was für die Ohren
    Wenn du immer noch zu lange bist, komprimiere den Inhalt.
  4. Überarbeitung wieder laut vorlesen und mit dem Handy aufnehmen.
    Höre dir deinen Redebeitrag an und überprüfe kritisch, wo der Text schwächelt.
  5. Wiederhole Punkt 4 so lange, bis du zufrieden bist mit der Qualität und Quantität deiner Worte.

Durch diesen Prozess gewinnst du zusätzlich Sicherheit und Selbstvertrauen, weil du den Text verinnerlichst. Diese Sicherheit wirkt sich positiv auf deine gesamte Performance aus.

Was du außerdem tun kannst, wenn deine geplante Redezeit länger als 15 Minuten beträgt.

  1. Bitte den Moderator, dir 5 Minuten vor Ende der Redezeit ein Zeichen zu geben. Vereinbart genau, wie dieses Zeichen aussehen soll.
  2. Verwende dein Handy als Time Manager. Aktiviere vor der Rede den Flugmodus und aktiviere den Timer bevor du startest. So siehst du, wie viel Zeit dir noch bis zum Ende bleibt.

Ja, dieser Prozess ist aufwändig. Aber er lohnt sich! Denn deine Wortmeldungen werden automatisch gehaltvoller und knackig. Das Publikum wird dir viel aufmerksamer zuhören und einige sprechen danach vielleicht ihre (dankbare) Anerkennung aus. Probiere es einfach mal aus.

Wünsche dir eine erfolgreiche Woche!

mit herzlichen Grüßen
Heidi Winsauer

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
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Tipp #14 Wie beeindrucke ich mein Publikum?

Eine Rede oder Präsentation spricht Zuhörer nur dann an, wenn sie zum Gehörten einen persönlichen Bezug haben. Wenn sie sich vorstellen können, wovon die Rede ist oder wenn ihnen dazu eine persönliche Erinnerung einfällt. Deshalb sind Beispiele so wichtig.
Was bedeutet das für dich? Jede Theorie, jede Idee, jede Forderung solltest du anhand einfacher Beispiele veranschaulichen. Wenn du etwas erklären willst, hilft ein Vergleich vom Neuen mit etwas Bekannten.

Beispiele:
„… Pinterest ist wie eine Pinnwand im Internet, auf der Leute ihre Ideen heften…“
„… stellen sie sich dieses Wassersystem bitte wie einen Wasserboiler vor, der das Wasser nicht aufheizt, sondern kühlt. Bei Bedarf fügt das Gerät auch gleichzeitig Kohlensäure dazu…“

Außerdem solltest du es schaffen, dass die Beispiele den Großteil deines Publikums in irgendeiner Weise persönlich betreffen. Wenn du z.B. über das Thema Zukunft sprichst, macht es einen enormen Unterschied, ob du vor Jugendlichen, Erwachsenen, Senioren, Arbeitern, Angestellten oder Unternehmern sprichst. Deshalb solltest du deine Präsentation erst dann vorbereiten, wenn du einigermaßen informiert bist, vor wem du sprichst. Überlege dir dann, welche Facette deines Themas die Leute wirklich betrifft. Was könnte sie interessieren? Wenn du über Geld redest, haben junge Menschen einen völlig anderen Bezug dazu als alte Menschen. 100 Euro ist für einen Unternehmer wenig Geld, für einen Lehrling sehr viel. Das Wort Inflation weckt bei alten Menschen eine schlimme Erinnerung, Erwachsene ärgern sich ein wenig darüber und Teenager wissen gar nicht, was damit gemeint ist. Die Penionsvorsorge wiederum interessiert Senioren kaum noch. Versuche, deine Rede an die Bedürfnisse der Zuhörer anzupassen, in dem du ihnen entsprechende Beispiele anbietest.

Folgende Fragen helfen dir, dein Publikum einzuordnen:
Kommen ausschließlich geladene Gäste?
Ist es eine öffentliche Veranstaltung, bei der die Leute zufällig vorbei gehen und spontan stehenbleiben?
Sind die Besucher vom Thema persönlich betroffen?
Kennen sich die Zuhörer oder haben sie zumindest eine Gemeinsamkeit, durch den Verein, ein Hobby, den Arbeitsplatz, die Nachbarschaft?
Sind im Publikum überwiegend: Frauen, Männer, Jugendliche, Erwachsene, Senioren, Eltern, Alleinstehende, Berufstätige, Arbeitslose, Ehrenamtliche, Laien, Fachleute, Einheimische, Touristen, …
Welche Art von Veranstaltung ist es?
* Firmenjubiläum – es kommen Ehrengäste, ehemalige und aktuelle Mitarbeiter, …
* Eröffnung – Ehrengäste, Kunden, Mitarbeiter, …
* Siegerehrung –  Ehrengäste, Teammitglieder, Fans, Zuschauer, …
* Fachveranstaltung – es kommen Fachleute die sich angemeldet haben.
* Businessevent – geladene Gäste die einen Bezug zum Unternehmen haben.
* Messeevent – einheimische (zufällig oder geplant) und Touristen

Mit einem praktischen Beispiel runde ich diesen Tipp ab. Das Ziel der Rede soll sein, dass die Leute ab sofort mehr Tee trinken. So könntest du die unterschiedlichen Gruppen gezielt ansprechen.

Mädchen: Prinzessinnen trinken immer um 5 Uhr einen Tee. Dazu verwenden sie eine hübsche Porzellantasse und einen Silberlöffel. Außerdem essen sie ein Keks dazu.
Jungs: Asterix oder die Gummibärchen trinken immer einen Zaubertrank, damit sie besonders stark werden.
Eltern: als Belohnungsritual, wenn die Kinder am Abend im Bett sind. Melissen Tee entspannt doppelt.
Jugendliche:  Vor allem Models wie Kendall Jenner, Gigi Hadid oder Alessandra Ambrosio sollen auf den einen bestimmten Tee schwören, um fit zu bleiben.
Senioren: Wenn sie zunehmend den Namen von Bekannten vergessen, hilft eine Tasse Ginko Tee täglich.
Angestellte: Zu viel Kaffee verdirbt den Magen. Probieren sie doch mal Pfefferminztee. Vor allem an heißen Tagen ist das eine wunderbare Methode, sich zu erfrischen…
Unternehmer: Ingwertee ist ein hervorragendes Prophylaxe Getränk gegen Krankheiten. Ihre Mitarbeiter wären deutlich besser gegen Viren geschützt, wenn sie regelmäßig Tee trinken …
Gesundheitsbewusste: Draußen blühen grad die Holunderblüten. Wenn sie die Dolden abschneiden und ein paar Tage trocknen lassen, erhalten sie einen super Tee gegen Fieber.

Zugegeben, diese Arbeit erfordert ziemlich viel Zeit und Übung. Aber es lohnt sich, weil sich dein Publikum wirklich verstanden fühlen. Wenn du konkrete Anregungen brauchst, melde dich bei mir. Gemeinsam finden wir sicher ein paar treffende Beispiele (natürlich kostenfrei).

mit herzlichen Grüßen
Heidi Winsauer

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
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Tipp #13 Wie erkenne und korrigiere ich kleine Ticks?

Wer häufig die gleichen Gesten, Bewegungen oder Wörter wiederholt, lenkt sein Publikum ab. Ich erinnere mich an eine Lehrperson, die in einer Unterrichtsstunde über 30 Runden durch die Bankreihen gelaufen ist. Statt aufzupassen haben wir die Runden gezählt und ständig gekichert. Die Aufmerksamkeit war entsprechend gering. Es dauerte einige Wochen, bis wir uns daran gewöhnt hatten. Einen kleinen Tick hat fast jeder, der noch kein Training absolviert hat.  Weiterlesen →

Tipp #12 Wie bereite ich mich auf ein heikles Gespräch oder Interview vor?

Das Gespräch mit einem Vorgesetzten, die Präsentation vor neuen Kunden, ein Interview nach der Pressekonferenz oder der Konflikt mit einem Familienmitglied…. der folgende Tipp hilft bei jedem Gespräch, ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Phase 1: Überprüfe, ob du wirklich alle korrekten Namen, Zahlen und Fakten weißt. Wenn du die Informationen aus 2. Hand hast, kontrolliere sicherheitshalber alles nochmal. Ist gleichzeitig eine wunderbare Übung, den geforderten Inhalt zu verinnerlichen.

Phase 2: Bereite mindestens 3 konkrete Beispiele/Anlässe/Vorteile vor, mit der du deine Idee oder Kritik untermauern kannst.

Phase 3: Male den Teufel an die Wand! Das ist die wichtigste Phase, durch die du wirklich fit für dein Gepräch wirst. Versetze dich in die Position deines Gegenübers.
* Welche Fragen würdest du stellen, wenn du dich selbst interviewen müsstest.
* Welche Gegenargumente oder gar Anschuldigungen würdest du vorbringen, wenn du dich selbst damit konfrontieren müsstest.
* Wo sind deine wunden Punkte?
* Wie könnte dich dein Gegenüber aus der Ruhe bringen?

Nimm dir für diese 3. Phase viel Zeit, arbeite sorgfältig und bleib konsequent. Sei selbst dein übelster Kritiker. Nimm dich in ein hartes Kreuzverhör …. und finde für jeden Punkt eine souveräne Antwort. Wenn du den Ernstfall in aller Ruhe übst, bleibst du im richtigen Gespräch höflich und gelassen. Du bist ja darauf vorbereitet.

Außerdem merkst du schnell, wo du dich in einen noch größeren Schlamassel reden würdest. Genau genommen bist du erst durch diese Arbeit wirklich optimal für deinen Termin vorbereitet. Weil du deine Idee/Gedanken oder Rede auch auf eventuelle Schwachstellen hin überprüft hast.

mit herzlichen Grüßen
Heidi Winsauer

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
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