Warum Messer immer scharf und Worte stets klug gewählt sein sollten.

In meiner Heimatstadt Dornbirn gibt es noch einen traditionellen Messerschmied, seit mehreren Generationen ein Familienbetrieb. Weltberühmte Sterneköche schicken ihre Messer mit der Post in dieses winzige Geschäft, damit der Meister persönlich auf uralten Schleifgeräten die Klinge wetzt. Besonders entzückendes Detail: die Kundschaft bekommt die geschärften Messer mit einem Pflaster zurück.

Wobei eigentlich nur unscharfe Messer wirklich gefährlich sind. Schon mal versucht, eine Tomate mit einem stumpfen Messer zu schneiden? Statt gleichmäßig dünne Scheiben produziere ich immer zerquetschte Tomatenfetzen. Außerdem ist die Gefahr höher, dass ich mit dem Messer abrutsche und meine Finger treffe wesentlich höher.

So, was hat das jetzt mit der Wortwahl zu tun? Überleg mal kurz. Wann hast du dich das letzte Mal über eine zu scharf formulierte Kritik geärgert? Wer schafft es, dich mit wenigen Worten so tief zu verletzten, dass dein Selbstwert darunter leidet? Wie oft hast du deine ausgesprochenen Sticheleien schon bereut. Jetzt ist glaub klar, was ich meine, oder?

Mir gelingt es leider auch nicht immer, meine Worte wirklich behutsam auszuwählen. Vor allem im privaten Bereich, mit Freunden und der Familie, wäre ich gerne vorsichtiger. Hätte den großen Vorteil, dass ich mich weniger über mich selbst ärgern müsste.

Als Moderatorin ist der Druck schon höher. Da muss ich mich wesentlich mehr anstrengen und sehr sorgfältig arbeiten. Diese Vorarbeit passiert zu Hause, indem ich die Texte mehrmals laut übe. 3, 4 oder 5 Durchgänge sind normal. Bei besonders heiklen Veranstaltungen probe ich die Ideen so lange, bis mir garantiert die passenden Worte einfallen. Ich schleife also eine vage Moderations-Idee so lange, bis jeder Gedanke passt. Das bringt übrigens 3 weitere praktische Vorteile.

1. durch das häufige Wiederholen habe ich den Ablauf so stark verinnerlicht, dass ich frei sprechen kann.
2. da ich mir sicher bin, was den Ablauf und den Inhalt betrifft, gehe ich selbstbewusst auf die Bühne.
3. Meine Moderationsblöcke sind kurz und knackig.

Schauen wir uns noch kurz den praktischen Umgang mit Messern an. Wenn dich jemand bittet, ein Messer zu reichen, schleuderst du ihm das entgegen? Greifst du in die Klinge? Fuchtelst du mit dem Messer herum? Und wenn du siehst, dass das Messer nur für einen Apfel gebraucht wird, holst du dann das Fleischmesser? Wohl eher nicht, oder?

Im Umgang mit Worten sind wir aber gerne etwas fahrlässig. Wir überfordern Kindern mit viel zu viel Information. Wir schmettern unsere Argumente in einer Diskussion emotionsgeladen durch den Raum. Und manchmal greifen wir in der Wortwahl sauber daneben, was uns selbst schadet. Ich schreibe jetzt ganz bewusst WIR, weil ich derlei Blödsinnigkeit natürlich auch regelmäßig schaffe.

Zusammenfassung:
Worte sind wie Messer. Überlege deshalb genau, wann du welche Worte für welchen Anlass brauchst. Wem du welche Worte zumutest. Wie du die Worte weitergibst. Und schleife deine Gedanken, wenn du eine Rede oder Präsentation halten musst. Das gibt dir Sicherheit und verhindert unnötige Wiederholungen sowie Peinlichkeiten.

Also, Obacht geben und den Erfolg genießen
und hier ist noch der Link zur Messerschmiede Wohlgenannt. Müsst ihr einfach mal gesehen haben https://dasmesser.at

Servus, mein Name ist Heidi Winsauer. Ich lebe in Dornbirn/Österreich und arbeite als selbständige Moderatorin und Rhetorik Trainerin. Diesen Blog schreibe ich für all jene, die rhetorische Tipps mal auf eine andere Art serviert bekommen wollen.
Hier erfährst du mehr über mich und meine Arbeit http://www.heidiwinsauer.at