Was darf es sein? Eine knackige Rede bitte.

Nehmen wir an, du triffst Freunde und ladest sie spontan bei dir zuhause zum Essen ein. Sie sagen zu und ihr vereinbart einen Tag und die Uhrzeit. Du kennst deine Freunde schon lange Zeit und weißt, dass sie alles gerne essen. Es wird sicher ein entspannter Abend, unkompliziert und gesellig. Selbst wenn du es sehr locker nimmst, bedeutet diese Einladung, dass du viele Fragen klären musst.

  • was gibt es zu Essen (selber kochen, aufwärmen, asiatisch, Hausmannskost, Vegetarisch,…)?
  • sollen die Gäste mehrere Gänge essen oder schon nach einem Gang satt sein?
  • welche Zutaten hast du daheim und was musst du noch einkaufen?
  • welche Getränke sind vorrätig und was musst du noch besorgen?
  • ist die Wohnung ordentlich?
  • wie schaut der Zeitplan aus?
  • usw.

Wenn du eine Rede halten sollst, ist es sehr ähnlich. Egal wie viel oder wenig Routine du besitzt, du brauchst ein Ziel und eine Kernbotschaft. Was willst du erreichen? Welche Botschaft sollen sich die Zuhörer merken. Welche Inhalte verwendest du? Überprüfe, ob deine Fakten immer noch auf dem aktuellsten Stand sind. Möglicherweise gibt es für deine Rede passendere Beispiele oder aktuelle Anlässe. Wichtig ist außerdem, dass du deinen Zeitrahmen kennst. Wie lange sollst du reden? Wann sprichst du? Was passiert vor und nach dir? Ein kurzer Blick in den Spiegel ist ebenfalls sinnvoll, um peinliche Momente vor dem Publikum zu vermeiden. usw.

Foto: Schuller/Gemeindebund

Kommen wir wieder zu den Gästen zurück. Angenommen, dein Chef kommt zum Essen – oder ein Mensch, in den du sehr verliebt bist. Würdest du etwas kochen, was du vorher noch nie ausprobiert hast? Eher nicht, oder? Das wäre wirklich töricht. Ich behaupte, dass du eher ein Gericht kochst, das dir schon mehrmals gut gelungen ist. Du kennst die Arbeitsschritte und weißt: diese Mahlzeit schmeckt köstlich. Perfekt. Genau die richtige Erfahrung die du in so einem Moment brauchst. Sie stärkt deinen Selbstwert und gibt dir Sicherheit. Kochst du aber ein unbekanntes Gericht, welches du bisher nur in Gedanken geprobt hast, wärst du garantiert angespannt bis sehr nervös.

Das gilt natürlich auch für Redebeiträge. Nur wenn du die gesamte Rede mehrmals laut übst, kennst mögliche Stolpersteine und kannst daran feilen. Durch das häufige Wiederholen verinnerlichst du den Ablauf und wirst automatisch sicherer. Es fallen dir bessere Worte ein und dir fallen Ungereimtheiten auf. ACHTUNG: Ich wähle bewusst die Formulierung „verinnerlichen“. Du sollst den Ablauf kennen und dennoch frei sprechen. Auswendig gelernte Texte wirken wie Convenience Food. Sie machen zwar satt, schmecken aber meist durchschnittlich.

Häufig gehen Redner ihren Vortrag in Gedanken durch oder murmeln die Sätze schnell vor sich her. Das ist aber der falsche Weg, den Text zu üben. Damit trainierst du, wie du hastig von einem Gedanken zum nächsten springst. Mit dieser Methode fehlt außerdem die Erfahrung, ob dein Zeitmanagement stimmt.

Zusammenfassung: wenn du eine Rede oder Präsentation halten sollst, gehe vor wie bei der Einladung zu einem Abendessen. Je weniger Routine du hast und je wichtiger der Anlass für dich ist, desto sorgfältiger musst du dich vorbereiten und laut üben. 

Gutes Gelingen wünscht dir

Heidi Winsauer

Servus, mein Name ist Heidi Winsauer. Ich lebe in Dornbirn/Österreich und arbeite als selbständige Moderatorin und Rhetorik Trainerin. Diesen Blog schreibe ich für all jene, die rhetorische Tipps mal auf eine andere Art serviert bekommen wollen.
Hier erfährst du mehr über mich und meine Arbeit http://www.heidiwinsauer.at