Tipp #26 Was begeistert Besucher einer Veranstaltung?

Ein hohes Budget allein ist noch kein Garant für ein wirklich gelungenes Fest. Eine tolle Band, eine spektakuläre Lichtshow oder ein köstliches Essen helfen natürlich, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Aber was Besucher wirklich erstaunt und fasziniert, sind kleine Details und Gesten, die ihre individuellen Bedürfnisse erfüllen.
Wenn du dir die Gästeliste genau anschaust, kannst du überlegen, in welche Situation die Gäste während deiner Veranstaltung kommen könnten.  Bei einer öffentlichen Veranstaltung (Dorffest, Hausmesse, Tag der offenen Tür usw.) ist es natürlich schwieriger, weil du ja nicht weißt, wer wirklich kommt. Aber wenn du

 dich für ein paar Minuten in die Situation anderer Menschen versetzt, bekommst du zumindest ein gutes Grundgefühl. Denn je nach Alter und Alltag haben Menschen unterschiedliche Bedürfnisse. Hier sind ein paar Anregungen von mir. Dir fallen bestimmt auch noch einige ein. Dann poste sie bitte in Form eines Kommentars.

Kinder
Kinder hassen es, wenn sie ruhig und still sein müssen. Diesen Ärger zeigen sie deutlich durch lautes und zappeliges Verhalten. Können sie sich beschäftigen und verweilen, genießen sie den Aufenthalt – was sich positiv für die Begleitperson auswirkt. Die Angebote müssen weder neu noch teuer sein, aber in ausreichender Anzahl. Kinder lieben: basteln, malen, hämmern, sägen, hüpfen, balancieren, Dosen werfen, jonglieren, Stelzen laufen, Dreirad oder Fahrrad fahren, singen, musizieren, Musik hören, Bücher anschauen usw.
In vielen Gemeinden (zumindest in Vorarlberg) kannst du bei der Bücherei/Spielothek geeignete Spielangebote ausleihen. Falls es das bei dir noch nicht gibt, könntest du in deiner Gemeinde mal einen entsprechenden Vorschlag machen. Und in deinem Bekanntenkreis gibt es sicher jemanden, der dir ausgedientes (aber intaktes) Spielzeug schenken kann.

Familien oder Alleinerziehende
Besucher mit kleinen Kindern kommen oft mit dem Kinderwagen. Das bedeutet, die Gänge müssen breit genug sein. Im Gastronomiebereich braucht es absolute Nichtraucherzonen und Stellflächen. Wenn das Festzelt große Sichtfenster hat, können die Eltern ihre Kinder trotzdem im Auge behalten oder den abgestellten Kinderwagen.
Das Leben der Eltern wird auch deutlich einfacher, wenn der Kinderbereich einen Ein- bzw. Ausgang hat, also abgegrenzt ist. Denn dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind unbemerkt ausbüxt.

Jugendliche
Also für diesen speziellen Punkt würde ich ein paar Jugendliche fragen, denn die Trends ändern sich rasend schnell. Aber ein paar Sofas zum abhängen, eine Bar mit antialkoholischen Cocktails, ein Tischfußballtisch und ein Tischtennistisch kommen sicher immer gut an. Einen Tischtennistisch kann man übrigens auch aus Bierbänken herstellen. In meiner Heimatstadt gibt es einen sehr kreativen Verein, die Fasnatzunft Oberschorbach. Seit einigen Jahren veranstaltet die Zunft ein PingPong Raser Turnier mit Bierbank-Tischtennistischen Fasnatzunft Oberschorbach Dornbirn

Ältere Menschen
Wer bereits eher schlecht hört, braucht ein ruhige Umgebung, damit er sich auf die Hauptsache konzentrieren kann. Bei der Beschallung eines Saales wird darauf oft viel zu wenig Rücksicht genommen. Hintergrundmusik mag für Menschen mit intakten Ohren fein sein, aber für Menschen mit Hörgeräten unangenehm. Hörgerätträger haben mir erzählt, dass ihr Apparat im Ohr alles verstärkt, auch die Hintergrundmusik. Das Gerät im Ohr unterscheidet aber anscheinend nicht zwischen Hintergrund- und Hauptton. Deshalb hören sie einen unangenehmen Mischmasch, der bald die Freude an der Veranstaltung dämpft. Vortragsredner sollten sich deshalb auch sehr gut überlegen, ob sie Hintergrundmusik verwenden, wenn sie vor älterem Publikum sprechen.
Ältere Menschen können außerdem nur eine begrenzte Zeit stehen und brauchen deshalb Sitzgelegenheiten. Bierbänke sind nur das zweitbeste Angebot. Einzelne Stühle mit Rückenlehne wirken wohltuend bei schmerzenden Beinen.

Menschen mit körperlicher Einschränkung
Ein dickes, loses Kabel am Boden kann für Menschen mit einer Gehhilfe zum Problem werden. Gleiches gilt für Absätze, auch wenn diese nur 4 cm hoch sind.
Ein rutschiger Boden (weil er nass geworden ist) kann ebenfalls einen gefährlichen Sturz verursachen.

Orientierung: 
Orts- oder Gebäudefremde Personen brauchen ein wirklich übersichtliches und Einheitliches Wegweiser System. Einheitliche Farbe, klare Schrift mit großen Buchstaben und im Idealfall ein eindeutiges Symbol dazu. Symbole helfen Menschen, die Sprache nicht können, nicht lesen können oder schlecht sehen.  Mach vorab den Test mit einer neutralen Person, die wirklich keine Vorkenntnisse besitzt. Außerdem musst du dir den Raum oder die Situation mit vielen Besuchern vorstellen. Sehe ich die Schilder/Hinweise auch, wenn viele Menschen anwesend sind. Erst nach so einer Testphase weißt du, ob das Leitsystem wirklich logisch und leicht erkennbar ist.

Auf der Toilette
Serviceorientiere Hotels und Gasthäuser machen es schon lange. Sie stellen ein Körbchen mit Hygieneartikeln bereit. Für meine Hochzeit habe ich das nachgemacht und schwer Eindruck hinterlassen. Inhalt des Körbchens: Blasenpflaster, normale Pflaster, Nagelfeile, Deo, Kamm, Haarspray, Lippenbalsam, Handcreme, Binden, Tampons, Schmerztabletten, Magensäuretabletten, Fleckenstift, Kaugummi, Wattestäbchen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Nur sehr wenige Menschen reagieren mit einem allergischen Schock, wenn sie bestimmte Lebensmittel essen. Diese Menschen sind darauf eingestellt und meist Selbstversorger. Was aber zunimmt ist die Zahl derer, die eine Unverträglichkeit auf gewisse Lebensmittel haben. Da zwickt dann der Magen, oder sie bekommen einen Schweißausbruch oder die Haut reagiert mit einem Ausschlag oder die Personen werden sehr müde. Die drei häufigsten „Beschwerdenmacher“ sind: Milchprodukte, Fruchtzucker und Gluten. Was bedeutet das für das Buffet?  Eine Reispfanne mit Gemüse ist für viele Gäste ein gutes Angebot. Damit haben auch Vegetarier eine Freude und bei entsprechender Zubereitung auch vegan lebende Menschen.

Zusammenfassung: Wer eine Veranstaltung für möglichst viele verschiedene Menschen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis machen will, muss die Perspektive wechseln. Wie würden Kinder die Veranstaltung erleben und bewerten? Weitere Blickwinkel sind: Touristen, Senioren, Geschäftsleute, Familien, Jugendliche, Menschen mit wenig Geld, umweltbewusste, Fachleute, Laien usw. Wenn du dir sogar die Zeit nimmst, die Perspektive der Kritiker und Gegner einzunehmen, könntest du von vornherein Konflikte vermeiden.

Meine Tipps sind Anregungen, keine Erfolgsgarantie. Aber es würde mich wirklich sehr wundern, wenn du trotz sorgfältiger Vorbereitung einen schwachen Eindruck hinterlässt.

Wünsche dir eine erfolgreiche Woche!

mit herzlichen Grüßen
Heidi Winsauer

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
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