Tipp #20 Wie berühre ich Zuhörer bei einer feierlichen Ansprache?

Eine feierliche Ansprache gehört zu jedem ausgereiften Programm. Denn eine gut vorbereitete Ansprache kann tief beeindrucken, auch wenn sie nur wenige Minuten dauert. Wie das gelingt? In dem sich möglichst viele Zuhörer wirklich angesprochen fühlen. Und das schaffst du, wenn du eine Ahnung hast, was dein Publikum bewegt.

Was bedeutet das für die Vorbereitung deiner Rede?
1. Entwickle ein Gespür für das Publikum
Was beschäftigt meine Mitarbeiter/Vereinsmitglieder/Kollegen/Familienmitglieder?
Welche Hürden haben sie überwunden oder Erfolge erzielt?
Worüber könnten sie sich den Kopf zerbrochen haben?
Worüber haben sie gelacht oder sich geärgert?
Was eint oder trennt sie?

2. Nähe erzeugen
Welche Gemeinsamkeiten oder ähnlichen Erfahrungen hast du mit dem Publikum? Offenbare eine private Facette von dir, teile eine Erinnerung oder Emotion mit den Zuhörern.
Wie hast du das Jahr erlebt?
Was hat dich beschäftigt?
Worüber hast du dich geärgert oder gefreut?

3. Was willst du erreichen?
Damit deine Rede knackig bleibt, musst du ein Ziel definieren und den Weg zu diesem Ziel. Ohne Ziel wirst du es kaum schaffen, eine Spannung aufzubauen. Willst du den Zusammenhalt stärken? Willst du danke sagen? Sollen die Menschen angeregt werden, neue Ideen zu kreieren? Sollen sich die Menschen noch stärker engagieren?

4. Was ist der Kern der Botschaft?
Je weniger Sätze du brauchst, den wesentlichen Punkt zu treffen, desto besser. Überrasche die Menschen. Reiße sie aus ihrem inneren Gedankenspiel, indem du an den Sinn des Lebens erinnerst.
Mein persönliches Highlight hatte ich mit der britischen Verhaltensforscherin und Umweltaktivistin Jane Goodall. Sie begann ihre Rede sinngemäß mit den Worten: „Ich will nicht auf dem Mond leben müssen, weil unsere Erde kaputt geworden ist. Mir gefällt es hier viel besser.“
Die Trauerrede von Bill Clinton für Helmut Kohl ist legendär. Im 5. Satz erinnert er alle Trauergäste, dass sie auch mal in so einem Sarg liegen werden. Ganz egal, welches Amt sie derzeit ausüben oder ausgeübt haben. Hier ist seine gesamte Rede: Trauerrede Clinton für Kohl im Wortlaut

5. Welche Personen willst du unbedingt namentlich erwähnen?
Leider wird das „Danke sagen“ oft viel zu hastig abgehandelt. Dabei könnte genau das der Schwerpunkt der Ansprache sein. Durch die Anerkennung ehrst und motivierst du die erwähnte Person. Außerdem beflügelt es die anderen, ebenfalls weiterhin ihr Bestes zu geben. Im Wort Anerkennung steckt aber schon drin, was entscheidend ist. Du musst die Arbeit, Leistung und Qualität dieser Person wirklich er-kennen. Das wird dich einige Stunden Zeit kosten, in denen du recherchierst oder nachdenkst. Aber dein Publikum wird dir bei solchen Geschichten viel eher an den Lippen hängen.

6. Üben, üben, üben
Egal ob du die Rede liest oder frei sprichst, übe sie vor dem Auftritt mindestens drei mal laut. Wenn du den Inhalt verinnerlicht hast, kannst du viel freier agieren. Außerdem merkst du durch das laute Üben, wo du deinen Text noch optimieren kannst.

Wichtig! Meine Tipps sind Anregungen, keine Erfolgsgarantie. Aber es würde mich wirklich sehr wundern, wenn du trotz sorgfältiger Vorbereitung einen schwachen Eindruck hinterlässt.

Wünsche dir eine erfolgreiche Woche!

mit herzlichen Grüßen
Heidi Winsauer

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
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