Tipp #10 Wie koordiniere ich Publikum und Ablauf bei einer Diskussion?

Beinahe täglich findet irgendwo in Vorarlberg eine Diskussion oder ein Gespräch statt. Sehr oft darf bzw. soll das Publikum mit diskutieren. Damit es eine hörenswerte Diskussion wird, recherchieren Moderatoren intensiv über ihre Gäste. Darüber hinaus müssen sie aber auch einige organisatorische Fragen klären. Nur so können sie das Publikum gut führen und den Ablauf einhalten. Je nach Thema und Anlass kommen Betroffene, Interessierte, Befürworter und Kritiker zur Veranstaltung. In Tipp #9 Was erwartet sich das Publikum von einer Diskussion? habe ich dazu ein paar Anregungen geschrieben.

Wenn du eine Diskussion leitest musst du außerdem einige organisatorische Fragen im Vorhinein klären, damit du später die Veranstaltung souverän lenken kannst. Warum die folgenden Fragen wichtig sind, erkläre ich später.
1. Wie lange hat der Gast (haben die Gäste) nach dem offiziellen Teil noch Zeit?
2. Gibt es einen gemütlichen Ausklang?
3. Stellen die Besucher ihre Fragen mit einem Mikrofon? Wenn ja, wir kommen sie an das Mikrofon?
4. Könnte es Probleme während der Diskussion geben? Was machen wir, wenn eine amtsbekannte Person xy auftaucht?
5. Gibt es Wachleute im Saal?

Jetzt die Erklärungen:
Punkte 1 und 2: Manchmal passiert es, dass die Zeit um ist, aber noch 10 Leute mit ihrer Frage warten. Ein paar Minuten überziehen ist kein Problem. Schon gar nicht, wenn die Besucher gespannt zuhören. Aber wenn die anderen Leute auf ihren Stühlen unruhig rutschen, sie ständig auf die Uhr schauen oder die Mimik genervt wirkt, musst du reagieren.  Dann musst du wissen, ob der Gast gleich weg muss, oder ob er noch Zeit für einen Small-Talk hat.
Falls der Gast gehen muss, beendest du die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass ihr sehr pünktlich aufhören müsst. „Danke für die rege Diskussion, aber xy muss dem Zug erreichen ….. deshalb endet dieses Gespräch jetzt … Ich wünsche ihnen noch ….auf Wiedersehen.“
Falls der Gast noch Zeit hat und es noch einen Ausklang gibt, ist es einfach. „Wir haben eine angeregte Diskussion hinter uns und ich sehe, dass einige Besucher schon etwas müde sind. Deshalb beenden wir den offiziellen Teil jetzt. Danke …. unser Gast ist noch eine Weile hier … gemütlicher Ausklang …. auf Wiedersehen.“

Punkt 3: Wenn der Raum größer als ein Klassenzimmer ist und mehr als 40 Personen an der Diskussion teilnehmen, empfehle ich ein Mikrofon. So verstehen alle die Frage und keiner muss schreien. Manchmal sind Tontechniker so nett und übernehmen den Dienst des „mobilen Mikroständers“. Falls das nicht geht, muss jemand anders assistieren. Merke dir den Namen dieser Person, damit du sie lotsen kannst. Nur du bestimmst, wer als nächstes an der Reihe ist, nicht der Assistent.

Punkte 4 und 5: Ein einzelner Selbstdarsteller kann zum Super Gau werden. Du hast das vermutlich selbst auch schon mal bei einer Veranstaltung miterlebt. Das Publikum wird eingeladen, Fragen an die Referentin zu stellen. Dann ergreift eine Person das Mikrofon für ein Co-Referat und gibt es nicht mehr her. Alle im Saal müssen sich die ausführliche Meinung dieser Person anhören, Frage stellt sie aber keine. Unterbrich diese Person höflich. Falls sie sich noch nicht vorgestellt hat, frag sie kurz nach dem Namen und welche Funktion sie ausübt. Dann sprich sie mit dem Namen an und bitte sie, eine Frage zu stellen, auf die Referent xy eine Antwort geben kann. Beispiel: „Sie interessieren sich für das Thema und scheinen sich auch auszukennen. Danke, dass sie mit diskutieren wollen, Herr Maier. Aber bitte, stellen sie jetzt eine Frage, auf die unser Gast antworten kann“.
Noch deutlicher klingt es dann so: „Herr Maier, wir haben ihre Wortmeldung gehört, danke. Wenn sie noch eine Frage haben, stellen sie die bitte jetzt. Als nächstes ist die Person in der 4. Reihe mit dem grauen Pulli an der Reihe“. Wenn das immer noch nicht wirkt, hilft nur eines: „Herr Maier, wir haben ihre Meinung gehört. Frage haben sie keine gestellt, deshalb machen wir jetzt weiter“.

Leute aus dem Saal schicken musste ich selbst noch nie (und ich kenne auch keinen Fall von Kollegen). Vermutlich würde ich es aber so machen. „Herr Maier. Es ist wirklich sehr unangenehm und schade, dass sie unser Gespräch derart stören. Ich muss sie nun wirklich auffordern, leise zu sein oder den Saal zu verlassen. Danke“.  Falls Security Leute anwesend sind, müssten die in so einem Moment aktiv werden.

In 99 von 100 Fällen laufen Diskussionen sehr entspannt und gesittet ab. Wenn du dich perfekt vorbereitet hast, kannst du also ganz entspannt bleiben. Wünsche dir (und mir) viele unterhaltsame Diskussionen.

mit herzlichen Grüßen
Heidi Winsauer

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
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