Tipp #2 Heut gibt´s was für die Ohren

 

Wie schreibe ich für die Ohren, also hörerfreundlich?

Eigentlich könnte es auch heißen: schreiben fürs Hirn. Denn Zuhörer müssen immer gleichzeitig hören und den Inhalt verarbeiten. Wenn dieser Prozess für das Hirn zu kompliziert ist, sinkt die Aufmerksamkeit. Wenn dann auch noch jemand hustet, ein lautes Fahrzeug vorbeifährt oder die Tontechnik versagt, verpufft der Inhalt komplett

Bei Texten oder Videos ist das anders. Da kann ich Passagen noch einmal lesen oder das Video erneut anschauen.

Wenn du deinen Mitmenschen etwas sagen willst, sei nett zu deren Ohren. Damit wirkst du auch gleich kompetenter, weil sie deine Botschaft verstehen. Mit den 4 folgenden Regeln steigerst du automatisch deine Aussagekraft, obwohl du am Inhalt nichts veränderst. Genial, oder? Los geht´s.

  1. Kurze Sätze

Verwende Sätze mit maximal 15 Wörtern. Kurze Sätze zwingen dich, die Informationen besser aufzuteilen. Häppchenweise erfahren deine Zuhörer, was du sagen willst.

Vorher (V): Ich freue mich sehr, dass so viele Freunde, Geschäftspartner und Nachbarn zur Einweihungsfeier für unser neues Büro gekommen sind und hiermit ist das Buffet feierlich eröffnet.
Nachher (N): Schön, dass so viele Freunde und Geschäftspartner zur Einweihungsfeier gekommen sind. Ich freue mich auch sehr über den Besuch meiner Nachbarn. Vielen Dank, für diese Wertschätzung. Hiermit ist das Buffet feierlich eröffnet.

In Summe verwende ich zwar mehr Worte, aber die Sätze sind kürzer. Dadurch wirkt jede Information stärker und ich helfe dem Zuhörer, meinen Gedanken zu folgen.

  1. Vermeide Verneinungen
    Berühmtes Beispiel: „denke nicht an einen roten Elefanten.“ Schwupps, da ist er schon, der kleine rote Trampler.

Andere Beispiele: Äpfel mag ich nicht. Du sollst nicht lügen. Sie können sich nicht blamieren….

Mit verneinten Aussagen verwirrst du deine Zuhörer. Du provozierst einen Gedanken, den die Hörer im selben Augenblick aber wieder streichen sollen. Außerdem fehlt die Information, was du eigentlich willst, was dir wirklich wichtig ist. Ein wichtiger Teil deiner Vorbereitung ist also: klare und eindeutige Botschaften finden.
Das Aufknacken der Verneinungen wird dich am Anfang sehr viel Zeit kosten und vermutlich auch nerven. Manchmal musst du deine Gedanken und Sätze völlig neu formulieren, sogar nach ungewohnten, besseren Wörtern suchen. Es lohnt sich aber! Deine Mitmenschen verstehen dich besser. Und Regel Nr. 2 hilft bei Regel Nr. 1, weil du weniger Worte brauchst.

V: Vergessen sie auf keinen Fall, das Parkticket abzustempeln.
N: Und denken sie daran: Parkticket abstempeln.

V: Wenn wir uns nicht anstrengen haben wir keine Chance auf den Pokalsieg.
N: Wir müssen uns anstrengen, sonst verlieren wir.
N: Wenn sich jeder von uns anstrengt, gewinnen wir den Pokal.

V: Keine Angst, sie werden sich nicht blamieren.
N: Vertrauen sie mir, ein Versuch ist es wert.

  1. Verwende aussagekräftige Zeitwörter
    Diese Regel erkläre ich am besten mit einem typischen Beispiel. Wir „machen“ ziemlich viel in unserem Alltag. Aber lass mal die Varianten von „machen“ auf dich wirken.

Die Kinder machen ihre Matheaufgabe – Die Schüler lösen ihre Matheaufgaben.
Ich mache täglich mein Yogaritual – Ich praktiziere täglich mein Yogaritual.
Oma Klara macht den Haushalt alleine – Oma Klara putzt und saugt den Haushalt alleine.
Ich mache grad Erdbeermarmelade. – ich putz grad die Erdbeeren und koche dann Marmelade.
Klaus macht die Garage sauber – Klaus kärchert die Garage.
Sara macht sich große Sorgen – Sara sorgt sich
Wir machen unseren Urlaub heuer am Meer – Wir erholen uns heuer am Meer.
Ich mache einen Spaziergang. – Ich spaziere durch den Wald.

Teil deiner Vorbereitung auf eine Rede könnte sein, starke Wörter zu finden. Damit gewinnt deine Sprache an Aussagekraft, weil du eher Bilder erzeugst. Außerdem hebt sich deine Rede von den üblichen 08/15 Sätzen der Anderen ab. Diese beiden Links sind hilfreich. https://www.openthesaurus.de/ und https://synonyme.woxikon.de/

  1. Aktiv statt passiv

Passive Sätze transportieren meist ungenaue Botschaften. Meist fehlt die Information, wer genau etwas gemacht hat. Damit verschenkst du die Chance, deine eigene Leistung zu erwähnen oder die der Anderen. Außerdem klingen passive Sätze viel komplizierter als aktive.

P: Der Firmenumsatz konnte um 0,5% gesteigert werden.
A: Ihr habt so tüchtig gearbeitet, dass unser Umsatz um 0,5%gestiegen ist.

P: Der Müll wird von den Männern entsorgt.
A: Die Männer entsorgen den Müll.

P: Die Kinder mussten von ihrer Tante beaufsichtigt werden.
A: Die Tante hat sich um ihre Neffen und Nichten gekümmert.

P: Die Mitgliederbeiträge werden ab 2018 um 0,4 Prozent gesenkt.
A: Wir (die Organisation) senken den Mitgliederbeitrag ab 2018 um 0,4 Prozent.

Wenn du dein Wissen vertiefen willst, empfehle ich dir das Buch Schreiben fürs Hören von Stefan Wachtel. Und sämtliche Bücher von Wolf Schneider sind auch absolut lesenswert. Ich mag vor allem seinen feinen Humor. „Gewönne doch der Konjunktiv“ ist eine ideale Strandlektüre.

Nächste Woche schreibe ich über das Lampenfieber und wie ich damit umgehe. Herzklopfen und hibbelige Beine habe ich selbstverständlich auch vor einer Moderation. Die Nervosität lähmt mich aber nicht. Sie treibt mich an und hilft mir, mich besser zu konzentrieren. Wie, liest du nächste Sonntag.

Wünsche dir eine entspannte Woche und freue mich über eine Rückmeldung
LG, Heidi Winsauer

zur Info:
Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
heidiwinsauer.at

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