Tipp #1 Warum sollte mir jemand zuhören?

Warum? Diese Frage höre ich derzeit sicher 100 mal am Tag. Warum, Mama? Meine beiden Söhne, 2,5 und 4 Jahre alt, hinterfragen so ziemlich alles. Normalerweise treibt mich dieses ständige WARUM in den Wahnsinn. Im Laufe dieser Woche löste es aber einen kreativen Geistesblitz aus. Warum sollte mir jemand zuhören? Ja genau. Warum eigentlich? Warum sollte jemand nicht einfach die Ohren „auf Durchzug schalten“, mir, sondern der Person „da vorne“, zuhören? Darüber schreibe ich also meinen ersten Tipp, Schritt für Schritt erklärt.

Warum sollten mir die Menschen zuhören? Wer als erstes auf diese Frage eine Antwort sucht, ist von Anfang an näher bei seinem Publikum. Und dieser Service wird gewöhnlich mit erhöhter Aufmerksamkeit belohnt.

Wenn du also vor einer Menschengruppe reden willst oder sollst (das machen ja auch einige, weil sie müssen), definiere dein Ziel . Was sollen sich die Zuhörer merken? Was sollen sie im Idealfall weitererzählen oder auf ihrem sozialen Kanal posten? Welches Gefühl möchtest du erzeugen? Was ist dein Ziel?

Nun sammle alle Fakten, Beispiele und Gedanken, die dir einfallen. Überprüfe dann jeden Punkt, ob er dir hilft, dein Ziel zu erreichen. Oder lenkst du die Zuhörer mit einer Aussage vom Ziel ab? Bringst sie auf andere Gedanken?

Dann überlege dir mindestens 1 relevantes Beispiel aus deinem Alltag, inwiefern dich das Thema selbst betrifft. So bietest du deinem Publikum einen persönlichen Bezug an. Meistens haben die Zuhörer sehr ähnliche Erfahrungen und können gut nachempfinden, wovon du redest. Es ist generell hilfreich, ganz nah bei der eigenen Wahrnehmung zu bleiben. So bist du authentisch und damit hört dir das Publikum eher zu.

Meine Tipps sind Anregungen, keine Erfolgsgarantie. Aber es würde mich wirklich sehr wundern, wenn du trotz sorgfältiger Vorbereitung einen schwachen Eindruck hinterlässt.

Wünsche dir eine erfolgreiche Woche!

mit herzlichen Grüßen
Heidi Winsauer

Heidi Winsauer lebt in Dornbirn/Österreich. Sie arbeitet als selbständige Veranstaltungsmoderatorin und Trainerin für den persönlichen Auftritt. Jeden Sonntag teilt sie ihr gesammeltes Wissen zu den Themen Moderieren, Präsentieren und frei Sprechen.
heidi winsauer moderation


Beispiele:

Anlass: Weihnachtsfeier, Rede der Chefin.
Ziel: Danke sagen und die Arbeit der Mitarbeiter loben.
Herzlich Willkommen liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ….. Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt, für unsere Weihnachtsfeier … Wir haben ein intensives Jahr hinter uns …. es war anstrengend, für uns alle …. trotzdem bin ich jeden Morgen gerne ins Büro gekommen …. solche Mitarbeiter sind eine große Stütze… die Ideen der Abteilung xy haben mich schwer beeindruckt …. Abteilung abc hat viele Überstunden geleistet …. und die Mühe hat sich gelohnt …. wir haben tolle Erfolge erzielt … deshalb feiern wir heute…. Vielen Dank für …. lasst es euch heute gut gehen …. schönen Abend.

Anlass: Referat über Shakespears Romeo und Julia
Ziel: Inhalt der Tragödie zusammenfassen und den Verfasser kurz vorstellen
Meine Aufgabe ist es, euch den Dichter William Shakespeare vorzustellen. Außerdem soll ich das Theaterstück Romeo und Julia zusammenfassen. Ich fange am besten mit dem einfacheren Teil an. Das Stück Romeo und Julia kenne ich, weil ich mal eine Verfilmung mit Leonardo Di Caprio gesehen habe. Und das Stück gibt es auch als Musical. Es heißt West Side Story. Worum geht es …….. 2 verfeindete Familien …. Julia Capulet …. Romeo Montague … verknallen sich …. Familien sind logischerweise komplett dagegen … die zwei überlegen sich einen Plan … endet leider tödlich für beide…
Nun zum Dichter William Shakespeare. Vor dem Referat wusste ich nur, dass er vor langer Zeit in England gelebt hat. Jetzt weiß ich, dass er sehr fleissig war und 38 Theaterstücke und 154 Sonette geschrieben hat. Ohne Computer oder Tintentod, denn vor rund 450 Jahren gab es das alles noch nicht. …. Seine berühmtesten Werke stellen uns die Mitschüler xy und ybc später noch vor … 1616 starb er als reicher Mann, warum ist unbekannt.

Anlass: Begrüßung Elternabend
Ziel: Team vorstellen, Themenschwerpunkt präsentieren
Schönen guten Abend … es freut mich, dass ihr euch Zeit genommen habt … nach einem anstrengenden Arbeitstag auch noch hier in der Schule … es ist für uns die beste Möglichkeit, unser Team und unsere Arbeit vorzustellen. Den offiziellen Teil ziehen wir eher straff durch … danach ein gemütlicher Ausklang… Mein Name ist abc, ich bin die Leiterin …. mir gefällt an der Arbeit mit euren Kindern …. meine Stellvertreterin ….. die weiteren Teammitglieder …. unser thematischer Schwerpunkt ist dieses Jahr der Bauernhof…. Kinder lieben Tiere und interessieren sich für Geräte/Fahrzeuge …. das habt ihr sicher auch schon beobachtet ….. wir planen …. Exkursionen, Lieder, Spiele, Fasching,….. deshalb bitte immer ein Dreckerhäs in der Box haben … an Exkursionstagen bitte spätestens um 08.30 Uhr hier sein…. wir dokumentieren dieses Jahr mit Bildern und am Ende gibt es für jedes Kind ein persönliches Bauernhofbuch.

 

Ein zaghafter Start

Nun ist es also endlich soweit. Die Idee in meinem Kopf bekommt eine konkrete Form. Vor einigen Wochen habe ich beschlossen, über das Handwerk Moderieren zu bloggen. Ich selbst habe Freude an dieser Arbeit. Vor einer Moderation klopft mein Herz zwar auch merklich schneller und die Hände werden eiskalt. Aber ich kann damit gut leben und nutze die Aufregung, mich besser zu konzentrieren. Diese Art von Nervenkitzel mag ich.

Leider gibt es viele Menschen, die wirklich Angst haben, vor anderen zu sprechen. Denen geht es körperlich ziemlich schlecht, wenn sie nur daran denken. Schüler, die ein Referat halten müssen. Jubilare, die vor ihren Familienmitgliedern oder Freunden eine Rede halten wollen. Angestellte, die vor ihren Kollegen eine Idee präsentieren sollen. Chefs, die ihre Mitarbeiter motivieren möchten. Vereinsfunktionäre, die andere für ein neues Projekt gewinnen wollen….

Und dann gibt es solche, die zwar keine Angst haben, aber trotzdem keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Oft sind es kleine Details, die das Publikum ablenken.

Seit meinem 15. Lebensjahr beschäftige ich mich mit dem Thema Kommunikation und Bühnenpräsenz. Ich durfte von vielen Menschen lernen. In Einzelstunden, Workshops, mehrtägigen Seminaren oder längeren Weiterbildungsprogrammen. Außerdem lese ich gerne Bücher über dieses Thema oder schaue aufgezeichnete Vorträge an.

Mein gesammeltes Wissen und meine persönliche Erfahrung möchte ich mit dir teilen. Und ich bin offen für deine Anregungen und Tipps. Dieser Blog soll ein Sammelplatz der brauchbaren Ideen und Werkzeuge sein.

Ab 27. Mai 2018 möchte ich jeden Sonntag einen kurzen Tipp veröffentlichen, wie du dein Publikum noch besser erreichst. Nach diesem Jahr hast du dann 52 Anregungen. Du wirst staunen, woran du als Moderator/in alles denken kannst. Weil ich (leider) nur unter Druck so wirklich gut arbeite, habe ich mir eine Sanktion überlegt. Wenn ich den Termin einmal nicht einhalte, spende ich 10 Euro an das Netz für Kinder http://www.netz-fuer-kinder.at/

Blog in Arbeit

Meine Güte! Von wegen, bloggen ist einfach! Es wird wohl eine Weile dauern, bis du hier meine ersten Moderationstipps findest. Aber meinen Plan kann ich ja schon mal verraten.
Ich teile mein gesammeltes Wissen und meine Erfahrungen zum Thema Moderieren.
Meine Zielgruppe: Vereinsmitglieder, Chefs, Schüler, Studenten, Politiker (immer Männer und Frauen) … einfach alle, die ihre Ideen und Gedanken vor Publikum präsentieren müssen oder wollen. Es sind jeweils kurze Anregungen, die deine Performance aber gleich etwas besser machen.